IAE-Entwicklungsjahre

 

40 Jahre IAE – Institut für Angewandte Entwicklungspolitik

Mit 24. Februar 1986 wurde das IAE bei der Vereinsbehörde Linz eingetragen. Im Wesentlichen initiiert und getragen von Dr. Ernst Karrer und einigen loyalen Repräsentanten aus seinem politischen Netzwerk im Umfeld des ÖGB, den Gewerkschaften, der Arbeiterkammer für OÖ, der Volkshochschule Linz, der Johannes Kepler Universität und der Kunsthochschule Linz, bzw. politischen Gruppierungen mit ähnlichen gesellschaftspolitischen Ambitionen zu den Themenbereichen „Ökologie, Umwelt und Kleintechnologie“, „Dritte Welt und Technologietransfer“, „Gemeinwirtschaft“, „Gemeinwesen und Sozialarbeit“, „politische Bildung, Frieden und Antifaschismus“ Bei Gründung zählte der Verein rund 25 Mitglieder. Beheimatet war das IAE in der Neupeint 26 in Linz. Der Mitgliedsbeitrag betrug monatlich 50.- Schilling

Die Einladung zu den Linzer Tonbildtagen vom 18. bis 21. September 1986 kann als medienwirksame Einstandsveranstaltung gesehen werden und machte das IAE in einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Ein Komitee um Ernst Karrer mit Peter Witz, Karl Koczera, Erwin Peterseil und Harald Wildfellner organisierte den viertägigen Event mit insgesamt 30 Beiträgen aus Österreich (22), Deutschland (7) und Ungarn (1) und einer Gesamtlaufzeit von 15 Stunden.

Mit dem ANTIFA-INF0 wurde ein regelmäßig erscheinendes antifaschistisches Informationsblatt geschaffen mit über 1.000 Abonnenten zu Spitzenzeiten in ganz Österreich. Das ANTIFA war eine zentrale Plattform für antifaschistische Politik und anlassgebend für viele Veranstaltungen im Verein. Dafür hat Erwin Peterseil unvergessliche Dienste geleistet.

Darüber hinaus unterstützte und initiierte das IAE mit den Netzwerkpartnern zu den genannten Themenbereichen vielfältige Aktivitäten, von Pickerl- und Plakataktionen bis zu Demonstrationen. Die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen boten für Protestaktionen reichhaltig Gelegenheit.

Die rapid steigende Arbeitslosigkeit in Europa, die Radikalisierung in der Gesellschaft und die Etablierung rechtsradikaler Parteien stellten vertraute Traditionen auf den Kopf. Sichtbarer Ausdruck der Unzufriedenheit waren die Stimmenverluste der Großparteien, die politische Radikalisierung, insbesondere der FPÖ mit Jörg Haider, der daraus folgende Bruch der Kleinen Koalition SPÖ/FPÖ, das erstarken der Grünen als vierte Kraft im Nationalrat womit 1986 nach der Nationalratswahl zum politischen Wendejahr wurde und die ungeliebte Große Koalition mangels konstruktiver Alternativen auferstehen ließ. Die Wahl Kurt Waldheims mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit zum Bundespräsidenten führte Österreich in die internationale Isolation. Der konservative Rechtsschwenk der katholischen Kirche mit der Wahl von Hermann Groer zum Erzbischof von Wien nach dem geschätzten liberalen Kardinal Franz König hinterließen ebenso deutliche Konflikte in den fortschrittlichen Kirchengemeinschaften.

Für das IAE ergab sich ein breites Betätigungsfeld, um sich für eine friedvollere Gesellschaft, demokratischere Prozesse und mehr Gerechtigkeit einzusetzen. Seine Ziele versuchte es mit der Herausgabe von Druckwerken, akustischen und visuellen Medien, Vorträgen und Versammlungen, Diskussionen und der Errichtung eines Archives zu erreichen. Die Finanzierung wurde weitgehend mit Unterstützung der befreundeten Partner innerhalb des Netzwerkes finanziert.

2015, mit dem Tod von Ernst Karrer diskutierten wir im Vorstand, der seit der Gründung bis zur Gegenwart weitgehend ident blieb, eine Neuausrichtung des Vereins. Letztlich entschieden wir uns für die Beibehaltung der Statuten und wählten Mag. Harald Wildfellner zum neuen Vorsitzenden. Als Programmgestalter der Volkshochschule Linz praktizierte Harald ein erfolgreiches Projektmanagement und pflegte den Kontakt zur Wissenschaft. Somit konnte der Verein seinen wissenschaftlichen Anspruch nach außen weiter treu bleiben.

Beruhten die Aktivitäten bisher eher auf aktuellen politischen Anlässen, waren diese ab sofort im Vorstand eher längerfristig im Sinne einer geregelten Jahresplanung entschieden. Im Vordergrund standen meist historische Anlässe-in zeitnaher Zukunft oder konfliktbeladene Dauerthemen, wie „Strukturen globaler Ungleichheit“, „Kontinuität des Antisemitismus“ oder zum „Spannungsverhältnis von Demokratie und Kapitalismus“.

Auf diese Weise organisierte das IAE, meist in Partnerschaft mit befreundeten Einrichtungen ab 2018 gut 20 Veranstaltungen mit rund 1.100 Teilnehmern; siehe Beilage, die auch einen Überblick über die vielfältigen Veranstaltungen inkl. Teilnehmer zeigt. Andererseits unterstützte der Verein Projekte, die seinen Vereinszweck entsprachen, wie Beispielsweise ein Projekt zu Ehren von Käthe Leichter. Die bevorzugte Lokation, der Gemeindesaal von Ottensheim, erwies sich stets als gastfreundliche, gern besuchte Einrichtung, die erfreulicherweise auch neue Zielgruppen erschloss. Für die Finanzierung der Projekte liegt jeder Aktivität eine Finanzplanung zugrunde, womit die Finanzen des Vereins im Blickfeld bleiben. Dazu trägt vor allem auch die Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung bei, die meist einen finanziellen Beitrag nach vorheriger Projekt-Beantragung leistete.

Im Gedenkjahr zum Geburtstag „200 Jahre Karl Marx“ 2018 übernahm das IAE eine zentrale Rolle in der Gesamtkoordination. Einerseits wurde gemeinsam mit der JKU und der Uni Wien eine mobile Wanderausstellung zu Karl Marx mit seinen Stationen im Leben und den bedeutenden Passagen seines Werkes erstellt, die in Zusammenhang mit den Feierlichkeiten in vielen Stationen Österreichs zu sehen war. Eine Festbroschüre ergänzte die Ausstellung neben der historischen Bedeutung und Anwendung, bzw. stellte die Frage nach aktuellen Bezügen in der Gegenwart her. Im Museum Arbeitswelt in Steyr fand am 4. Mai 2018 mit mehreren Mitveranstaltern eine große Birthdayparty mit einigen 100 Teilnehmern statt. Zusätzlich beteiligte sich das IAE an der Marx Vortragsreihe der VHS Linz im Wissensturm.

Ähnliche Aktivitäten, allerdings in bescheidenerem Rahmen, wurden zu Ehren von Karl Polanyi entfaltet - Wanderausstellung und Festschrift -, die ebenfalls Österreichweit großen Zuspruch erhielten.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das IAE entsprechend seinem Vereinszweck viele Aktivitäten entfaltete, anfänglich unter Ernst Karrer eher spontan parteipolitisch motiviert, mit einer breiten antifaschistischen Aufklärungsarbeit, die mit dem Tod von Erwin Peterseil 2024 und dem Einstellen der ANTIFA-Info später deutlich reduziert wurde. Unter Harald Wildfellner nahm die politische Breite an Aktionen deutlich zu. Angesichts der aktuellen nationalen und internationalen Zustände sind viele Parolen aus der Gründerzeit des IAE nach wie vor topaktuell, wie „Frieden schaffen ohne Waffen“, „Arbeitszeitverkürzung- ja bitte“, „gerechte Einkommensverteilung“, „Stopp dem Rechtsradikalismus“ und viele mehr.

Soeben, im Frühjahr 2026, wurde im vollbesetzten Zentral in Linz mit Armin Thurnher das Projekt „Medien und Demokratie“ sehr erfolgreich abgeschlossen. Eine Kooperationsanfrage der IG Welt Ottensheim zum globalen Süden ist grundsätzlich beschlossen.